Frühdefibrillation …
... ist eine lebensrettende Notfallmaßnahme beim plötzlichen Herzstillstand. Durch starke Stromstöße soll die normale Herzaktivität wieder hergestellt werden. Das dazu verwendete Gerät nennt man Defibrillator (kurz: Defi), es kann schon vor dem Eintreffen des Notarztes von Laien bedient werden.
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„Man kann nichts falsch machen“

Interview Prof. Michael Haude, Chefarzt am Neusser Lukaskrankenhaus

Herr Prof. Haude, wieso setzen Sie sich für die Initiative des Tenniskreises ein, in Vereinsheimen möglichst viele Defibrillatoren zu installieren?

Prof. Michael Haude Ganz einfach, weil ich das für eine ganz wichtige Angelegenheit halte. Ich habe festgestellt, dass das Thema im Rhein-Kreis Neuss sehr zurückhaltend angegangen wird. So weit ich weiß, gibt es keine Verpflichtung, Defibrillatoren in öffentlichen Gebäuden des Kreises oder der Städte für den Notfall vorzuhalten. In Rathäusern, Flughäfen, Bahnhöfen und Stadien ist das zwar mittlerweile Standard. Aber das ist noch viel zu wenig.

Warum reicht das nicht?

Haude Es ist zwar schwer, statistisch zu erfassen, wie viele Menschen genau jedes Jahr am plötzlichen Herztod sterben, weil die genaue Todesursache im Nachhinein nur schwer festzustellen ist, aber mehrere Zehntausend sind es auf jeden Fall. Und aufgrund der statistischen Wahrscheinlichkeit tritt der plötzlichen Herztod nun mal da sehr häufig auf, wo sich viele Menschen aufhalten. Und dazu gehören eben Gebäude des öffentlichen Lebens, natürlich auch Sportveranstaltungen. Gäbe es mehr Defibrillatoren, könnten viele Tote und Folgeschäden verhindert werden.

Was ist der Vorteil der Geräte?

Haude Wenn sie in der Nähe sind, ihre schnelle Verfügbarkeit. Denn kommt es zu einem Herzstillstand, gibt es nur ein kurzes Zeitfenster für Rettungsmaßnahmen. Bis die Rettungsdienste eintreffen, ist oft zu spät. Dabei gilt, je kürzer die Zeit bis zur Wiederbelebung, desto weniger Schäden können auftreten.

Ist denn der Umgang von Laien mit Defibrillatoren nicht problematisch?

Haude Überhaupt nicht. Es ist zwar sinnvoll, in die Bedienung einzuführen, um Berührungsängste abzubauen, aber im Prinzip kann man nichts falsch machen. Denn die Geräte geben genaue Anweisungen, was zu tun ist. Und sie geben sogar laut, wenn ihr Einsatz nicht angezeigt ist.

David Beineke führte das Gespräch.

Quelle: Neuss-Grevebroicher Zeitung, 22. Januar 2010

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