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Mit dem Defibrillator das Leben gerettet
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Mit dem Defibrillator das Leben gerettet

Neuss Detlef Dorfmüller ist 85 und immer noch sehr rüstig – dennoch brach er beim Schwimmen im Südbad zusammen, musste reanimiert werden. Gerettet wurde der Rentner von zwei Schwimmmeisterinnen – und einem Defibrillator.

Es war ein Tag im Sommer, als es passierte: Detlef Dorfmüller war im Südbad, wollte dort für das Schwimmabzeichen 200 Meter schwimmen. „Nach 175 Metern habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt“, erzählt der 85-Jährige. Er bekam Atemnot, wollte sich seine Schwäche jedoch nicht eingestehen. „Die letzten 25 Meter habe ich noch durchgezogen“, erzählt der rüstige Sportler.

Was danach geschah, daran kann er sich kaum noch erinnern. Denn Detlef Dorfmüller brach am Beckenrand zusammen. Und kann heute sagen: „Mir wurde das Leben gerettet“. Elf Tage lag der Rentner im Krankenhaus, davon mehrere auf der Intensivstation. Danach kam der 85-Jährige, der stets ein Lächeln auf den Lippen hat und heute wieder quetschfidel wirkt, nur langsam auf die Beine. Seine beiden Retterinnen, die Schwimmmeisterinnen Silke Götting und Melanie Funke, hat er jedoch nicht vergessen – Anfang kommender Woche will er die Beiden zum Essen einladen. „Ein kleines Dankeschön für ein großes Glück“, sagt Detlef Dorfmüller.

Für seine beiden Retterinnen spielte nicht nur Glück eine Rolle. „Wir werden regelmäßig für solche Ernstfälle geschult“, erzählt Melanie Funke. Dennoch war es für sie das erste Mal, dass bei einem Rettungseinsatz ein Defibrillator zum Einsatz kam – schon seit dem Jahr 2006 sind alle Neusser Bäder mit diesen medizinischen Notfallgeräten ausgestattet. Während sie den Notruf absetzte, begann Kollegin Silke Götting bereits mit der Wiederbelebung. „Als ich erkannte, dass keine Atmung mehr vorhanden war, nahm ich den Defibrillator zu Hilfe“, erzählt die Schwimmmeisterin. Der „Schockgeber“ reanimierte das Herz. „Man macht vieles automatisch, das ist Adrenalin pur“, erzählt Götting, die das Gerät in ihrem Arbeitsalltag bereits mehrfach eingesetzt hat, damit einmal sogar ein vierjähriges Kind ins Leben zurückholte. Auch bei Detlef Dorfmüller leisteten die Frauen ganze Arbeit: Noch bevor der Notarzt eintraf, schlug der verunglückte Schwimmer wieder die Augen auf. „Das Gesicht von Frau Götting war das erste, was ich wieder sah“, erzählt Dorfmüller rückblickend.

Auf die Rettung mit einem Laien-Defibrillator setzen in Neuss nicht nur die Stadtwerke. Auch viele weitere Unternehmen und Einrichtungen, darunter die Sparkasse, Kirchengemeinden und Schulen, haben diese Geräte angeschafft. Über 60 hat die Initiative „Defi Neuss“ auf dem Stadtgebiet gezählt. „Und wir setzen uns dafür ein, dass es mehr werden“, sagt Thomas Kaumanns, der sich für die Initiative, der auch Ärzte und Rettungskräfte angehören, engagiert. Dabei gehe es vor allem darum, Ängste abzubauen. „Oft besteht die Befürchtung, etwas falsch zu machen“, sagt Kaumanns. Doch das Schlimmste sei, überhaupt nichts zu tun: Bei einem Kammerflimmern sinke die Überlebenschance des Patienten pro Minute um zehn Prozent. „Wird der Defibrillator nicht eingesetzt, stirbt der Betroffene“, sagt Kaumanns, dessen Initiative mit Flyern, Infoständen und im Internet über die Vorteile des Geräts informiert.

Die Vorteile des Defibrillators „hautnah“ erlebt hat Detlef Dorfmüller. Am Schwimmsport hält der 85-Jährige fest: „Ich habe jetzt einen Schrittmacher“, erzählt er. „Im Januar darf ich wieder ins Wasser.“

Quelle: Neuss-Grevenbroicher Zeitung, 22. November 2013

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